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Digitalisierung,  Kinder und Medien

Medienerziehung: Vertrauen und Kontrolle als wichtige Pfeiler

Die Initiative „SCHAU HIN!” hat eine Blogparade zum Thema Vertrauen und Kontrolle in der Medienerziehung gestartet. Unter #medienmomente findet ihr noch mehr Artikel. Und vielleicht habt ihr ja auch selbst Lust teilzunehmen.

Die Initiative

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ hilft Eltern bei der Medienerziehung. Hinter der Initiative steht das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die beiden Sender “Das Erste” und “ZDF” sowie die Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Ziel ist es Eltern und Erziehende im Familienalltag mit digitalen Medien zu unterstützen, aufzuklären und damit Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Klar, dass ich dabei bin. Auf geht’s…

Ich denke an unseren Alltag. Und denke dabei auch schnell an Medienerziehung in meiner Kindheit. Es war deutlich übersichtlicher. Es gab kein Internet, keine Tablets und Smartphones. In der Hauptsache war es das Fernsehen, womit sich meine Mama in puncto Medienerziehung beschäftigte.

Kleiner Throwback in die 90er

Als ich etwa 9-11 Jahre alt war, bekam ich schön analog wöchentlich eine kleine Ration an “Fernsehkärtchen”. Ich weiß noch ganz genau wie sie aussahen: Kleine Vierecke aus rotem Tonkarton. Darauf in der Handschrift meiner Mama: “30 Minuten Fernsehen”, “45 Minuten Fernsehen” und ich glaube “90 Minuten Fernsehen”. Ich weiß leider nicht mehr genau, wie viele ich pro Woche erhalten habe, aber in Summe sicher nicht mehr als 6. So hatte ich selbst die Möglichkeit mir die Fernsehzeit einzuteilen und damit hauszuhalten. Das war zumindest eine zeitliche Kontrolle für meine Mama. Inhaltlich musste sie sich bei unseren drei Programmen auch nicht allzu große Sorgen machen.

Dies als kleine Anekdote zur Medienerziehung, mit der ich groß geworden bin.

Unser Alltag heute

Aber wie sieht das denn heute bei uns aus? Jetzt wo ich selbst Mama einer dreijährigen Tochter bin?

Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der Digitalisierung immer mehr präsenter wird. Das geht auch an unserem Familienleben nicht vorbei. Ich selbst beruflich in der IT, unterwegs in Sachen Digitalisierung und Workflowautomatisierung, stehe auch privat auf Digitales. Zuhause ist alles Mögliche vernetzt. Kaffeemaschine, Fernseher und Musik steuern wir über “Smart Home” und Sprachassistenten (ja wir haben ihn und planen ihn auch nicht wieder in den Keller zu verbannen ;-)).
Zur Organisation unseres Alltags sind unterschiedliche Apps im Einsatz. Wir nutzen den Komfort und ich mag es neue Apps und Co auszuprobieren.

Da ist es klar, dass unserer Tochter diese Präsenz digitaler Medien nicht entgeht. Kinder beobachten ja schließlich alles und adaptieren gerne. Umso wichtiger sich aber genau damit zu beschäftigen.

Wann habe ich begonnen mir Gedanken zu Medienerziehung zu machen?

Das fing eigentlich schon ziemlich früh an. Ich erinnere mich, dass ich es beispielsweise nicht leiden konnte, non-stop zu telefonieren, wenn ich mit meiner Tochter spazieren war. Sicherlich kam es vor, dass ich mal telefonierte, aber ich achte da einfach darauf.

Was ich noch nicht mag: Das Kind im Restaurant mit einem Smartphone zu beschäftigen, während wir Erwachsenen uns unterhalten und auf das Essen warten. Sicherlich – ich habe noch ein kleines Kind, aber das ist aktuell eben mein Standpunkt. Vielleicht bin ich da auch etwas spießig 😉 und finde das Smartphone hat beim Essen nichts zu tun. Ich finde es wichtig, diese gemeinsame Zeit miteinander zu nutzen und miteinander zu sprechen.

Aber was sind denn unsere aktuellen Themen in der Medienerziehung mit einem dreijährigen Kind?

Welche Medien sind denn hier schon relevant?

Bücher als Medium lasse ich hier außen vor. Ansonsten haben wir mit der Tonie-Box (Markennennung), einem CD-Player und dem audiodigitalen Lernsystem tiptoi® (Markennennung) von Ravensburger schon drei Medien, die in ihrem Zimmer zur Verfügung stehen. Sie hat ihren Spaß mit den Hörbüchern und Liedern und kann sie uneingeschränkt nutzen.

Fernseher

Der Fernseher wird von uns eingeschaltet. Das kann sie auch alleine nicht. Aktuell schaut sie unter der Woche nur das Sandmännchen am Abend. Am Wochenende gibt es dann auch mal die ein oder andere Zoosendung. Im Winter habe ich mal eine Folge Conni angemacht. Das hat sie aber irgendwie so gar nicht interessiert.

Was mir aber immer wieder auffällt: Sie merkt, wann es ihr genug ist. Dann sagt sie das auch und macht etwas anderes. Dann wird der Fernseher auch ausgemacht. Es gibt von zentralen Stelle wie der WHO aber auch von der Initiative “SCHAU HIN” Empfehlungen, was die tägliche Bildschirmzeit angeht. Das sind sicherlich gute Tipps, an denen man sich orientieren kann. Aber ich beobachte auch immer meine Tochter und stelle da auch schon einfach fest, wenn sie die Lust verliert oder einfach genug hat.

Smartphone und Co

Unsere Handys sind für sie weitestgehend noch kein Thema. Wir schauen mit ihr Bilder und Familienvideos an, sie kann mit der Familie telefonieren.

Ich fange jetzt gerade an, mir Apps anzusehen, die ich mit ihr gemeinsam mal ausprobieren könnte.

So gut so schön. So einfach wie jetzt wird es in puncto Medienerziehung nicht mehr werden. Dessen bin ich mir bewusst. Gerade veröffentlichte der Medienpädagogische Forschungsbund Südwest (mpfs) die KIM-Studie 2018. Darin geht es um das Medienverhalten von 6-13-jährigen. Da sprechen wir dann schon über ganz andere Themen der Medienerziehung.

Aber wie stehe ich denn zu den beiden Keywords Vertrauen und Kontrolle, wenn es um Medienerziehung geht?

Vertrauen und Kontrolle

Ich möchte meinem Kind vertrauen. Das ist mir primär wichtig.

Dem Kind zutrauen verantwortungsbewusst mit digitalen Medien und allem was damit einhergeht umzugehen. Ich denke, dass das mit dem Vertrauen nur klappt, wenn wir zuhause auch Vertrauen schaffen. Und Vertrauen entsteht mitunter durch eine sichere Bindung und Verlässlichkeit. Und das ist für mich ein grundsätzliches Thema. In Bezug auf Medienerziehung kommt hier aus meiner Sicht noch unsere eigene Medienkompetenz als Eltern oder Erziehende dazu, die immer wichtiger wird.

Ja und Kontrolle finde ich aber ebenfalls wichtig. Und das aus zweierlei Gründen. Kontrolle ist dabei eine Möglichkeit das Kind in der Nutzung von Medien zu begleiten. Das können Regeln oder Rahmenbedingungen sein aber auch app-basierte Anwendungen, die die Nutzung der Kinder kontrollieren und ihnen einen Rahmen geben.

Aber auch aus einem anderen Blickwinkel finde ich Kontrollmöglichkeiten sehr sinnvoll. Kontrolle zum Schutz meines Kindes. Denn die Weite des Netzes bietet, wie wir schon lange wissen, auch eine ganze Reihe an kriminellen Machenschaften. Darunter zum Beispiel die Möglichkeit für wildfremde Personen, ziemlich schnell Kontakt zu unseren Kindern zu suchen. Sei es über Apps oder diverse Plattformen. Cybermobbing, Cybergrooming werden immer präsenter. Dafür Kontrollmöglichkeiten zu nutzen ist einfach zum Schutz der Kinder wichtig.

Denn so sehr ich meinem Kind vertraue, da draußen gibt es genug Menschen, denen ich in keiner Weise mein Vertrauen schenken werde.

Und da lande ich wieder bei Medienkompetenz

Vertrauen und auch Kontrolle sind für mich zwei wichtige Komponenten, wenn wir von Medienkompetenz sprechen. Und Medienkompetenz fängt bei uns Eltern und Erziehenden an. Wir tragen die Verantwortung und dessen müssen wir uns bewusst sein. Es ist unsere Aufgabe unsere Kinder dabei zu begleiten und für sie da zu sein.

Wie wir das machen, welchen Weg jede Familie für sich findet, ist eine individuelle Entscheidung.

Mein Fazit zu Medienerziehung

Ich für mich kann sagen, dass ich digitale Medien absolut befürworte. Ich bin echter Poweruser und sehr IT-Affin (sonst hätte ich auch den falschen Job;-)). Dadurch wird auch meine Tochter sicher schon früh damit konfrontiert. Aber eben in Maßen und mit Bedacht.

Ich glaube eine große Herausforderung bei dem Thema Medienerziehung oder Medienkompetenz ist für viele die technische Komponente, die mit digitalen Medien, dem Internet, den vielen Apps und Plattformen einfach daher kommt.

Da wird es einfach technisch. Es geht um AGB’s, um eigene Daten auf fremden Servern, um Router-Einstellungen und Kindersicherungen (parental control). Damit meine Tochter verantwortungsbewusst und kompetent wie selbstsicher mit digitalen Medien umgeht, liegt es an uns Eltern, die dabei zu begleiten und sie zu unterstützen. Dazu gehört für mich dann eben auch, dass ich vieles davon verstehen muss, damit ich ihre Fragen beantworten kann und sie sich ernst genommen fühlt.

Und dann kommt da einfach diese Dynamik und die Schnelllebigkeit dazu.Es ändert sich ständig etwas. Neue Apps kommen auf den Markt, Plattformen bringen neue Funktionen und dann werden hier und da die Nutzungsbedingungen geändert. Das ist eine echte Aufgabe.

Umso besser, dass es im Netz immer mehr Menschen gibt, die sich für dieses Thema stark machen, Tipps geben, erklären und Familien begleiten. Darunter ja auch die Initiative “SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.”, die es sich zur Aufgabe macht, möglichst vielen Familien bei Fragen der Medienerziehung zu helfen. Du findest dort Tipps und Empfehlungen, Erklärungen zu Apps und auch Themen wie Kinderfotos im Netz oder Software für Jugendschutz.

Sicherlich stehe ich in puncto Medienerziehung bei einer dreijährigen noch ziemlich am Anfang. Aber ich bin mir sicher, dass ich mit einem kompetenten Umgang mit digitalen Medien schon die Weichen stellen kann, um das auch an mein Kind weiterzugeben. Da geht es auch jetzt schon um Regeln, die aktuell aber eher uns Erwachsene hier zuhause betreffen. So fangen wir bei uns an und leben es unserer Tochter vor. Spannend war für mich in dem Kontext auch das Thema “eigene Bildschirmzeit” und “medienfreie Zeiten.

Und eigentlich ist es bei dem Thema auch ein wenig wie mit allen Erziehungs- / Familienfragen: Jede Familie hat ihre Vorstellungen, Ansichten und Werte und versucht damit ihren Weg zu gehen.

Darauf achten wir aktuell:

  1. Das Smartphone wird nur in Begleitung genutzt. Aktuell auch nur zum Anschauen von Bildern und Videos der Familie
  2. Kein Telefon und kein Fernsehen während dem Essen.
  3. Kein Handy beim Bringen und der Abholung von der Kita. Hier hat meine Tochter meist sehr viel zu erzählen und ich konzentriere mich nur darauf.
  4. Verlässlichkeit – eigentlich meine liebste Regel. Ich finde es wichtig, in meinen Handlungen klar zu sein. So hat mein Kind eine Chance, meine Entscheidungen und Ansichten zu verstehen und zu wissen, dass es sich darauf verlassen kann. Denn das gibt Sicherheit. Und das ist heute wichtiger denn je (den ganzen Artikel findest du hier).

Wie sieht Medienkompetenz denn bei euch aus? Vielleicht hast du auch noch Lust an der Blogparade teilzunehmen. Dann nichts wie los 🙂

Ich bin gespannt auf eure Kommentare 😉

Alles Liebe,
Susanne

 

 

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