Digitalisierung,  Kinder und Medien,  Leben mit Kind

Kinderfotos im Netz?

Sie eigenen Kinder im Internet? Fotos auf denen die Kinder eindeutig zu erkennen sind veröffentlichen?

Wieder ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden, ein Thema mit Zündstoff und Krawallpotential. Naja eigentlich wie immer, wenn Eltern sich angegriffen fühlen und es um ihre Kinder geht…

Schnell entwickeln sich zwei Lager

Lager 1, die Fotos ihrer Kinder im Internet veröffentlichen und Lager 2, die es nicht tun, also gar nicht. Und wie immer gibt es noch die „dazwischen“, die ihre Kinder veröffentlichen aber vorher unkenntlich haben oder nur Ausschnitte des Kindes zeigen.

Ja und ich gebe zu, dass es mir schwer fällt mich mich hier glasklar zu positionieren. Denn im Grundsatz finde ich es in Ordnung, wenn Eltern Bilder von Kindern veröffentlichen, entscheidend finde ich das wie dabei. Aber dazu weiter unten mehr… (Edit – März 2019: ich spreche hier nicht von peinlichen Kinderbildern, um die es auch im Rahmen der Kampagne #deinkindauchnicht geht). Aber wie gesagt, dazu weiter unten im Text.

Ich meine hier Accounts, die aus ihrem Alltag mit Kindern, dem Familienleben berichten und dabei niveauvoll agieren. Ich meine Accounts, von denen ich vermute (das ist natürlich ein reines Bauchgefühl und damit null belegbar), bzw. die ich so einschätze, dass sie sich genau mit diesem Thema Kinderfotos im Netz und Medienkompetenz auseinandergesetzt haben. Also keine peinlichen Fotos beim Essen, entkleidete Kinder beim Baden, weinende Kinder oder Kinder bei sonstigen Eskapaden und intimen Situation. Hier aber auch noch der Hinweis, weil er oft nicht betrachtet wird: Neben den Bildern finde ich aber auch die Verschriftlichung irgendwelcher peinlicher Geschichten über die Kinder als ein No-Go.

Wenn wir jetzt darüber sprechen, dass unsere Kinder die von ihren Eltern veröffentlichten Fotos irgendwann peinlich finden und wir deswegen keine Fotos veröffentlichen sollten, dann vermuten wir hier rein ins Blaue. Denn abgesehen von den o.a. Situationen (darüber muss man nicht sprechen, das ist unangebracht) wissen wir doch gar nicht um das Empfinden unserer Kinder. Denn es sind eigene Persönlichkeiten und ich weiß nicht wie sich mein Kind entwickelt.

Sicher sein, dass die geposteten Bilder von den Kindern irgendwann einmal als peinlich betrachtet werden, kann man sich aber nicht.

Da ist dann in Lager 2 definitiv „mehr Ruhe im Karton“ und alle sind auf der sicheren Seite. Denn da gibt es keine Bilder der eigenen Kinder in Netz.

Bilder unserer Tochter im Netz?

Ich zeige im Netz keine Bilder meiner Tochter auf denen man ihr Gesicht erkennen kann. Wenn ich ein Bild poste auf dem sie zu erkennen wäre ist das Bild im Anschnitt oder seitlich. Anders gibt es keine Veröffentlichung. Diese Entscheidung haben wir hier zu Hause gemeinsam recht früh getroffen. Und ja ich würde Sie immer wieder so treffen.

Nun aber mal ans Eingemachte

Was mich an dem Thema so nervt, ist das so schnell die Glischeekeule geschwungen wird. Und dazu gerne die ja so narzisstischen und öffentlichkeitsgeilen Elternblogger angeprangert werden, die sich nur nach Geld, Fame und Reichweite sehnen. Die Diskussion ist ja keine neue.

Immer wieder in Wellen kommt das Thema hoch wie ein ganz normaler Wirtschaftszyklus ( ;-)) Ich finde das wird auch nicht langweilig, sondern ist nach wie vor wichtig. und das solange es immer noch sorglos agierende Eltern und peinlich-verletzende Kinderbilder im Netz gibt.

Worum geht’s denn eigentlich?

Bei der ganzen Diskussion, so finde ich, wird immer schnell das WAS beantwortet. WAS passiert: Eltern posten Bilder ihrer Kinder. Dabei bleiben meist zwei Dinge außen vor, die ich aber viel spannender finde:

WARUM veröffentlichen Eltern Bilder ihrer Kinder im Netz? Und WIE, also in welcher Art und Weise, werden Bilder veröffentlicht?

Oftmals unterstellt man den Eltern, dass sie sich undifferenziert dazu entschlossen haben das zu tun, bzw. gar nicht darüber nachgedacht haben, ob oder ob nicht.

Es gibt aber genauso die Eltern, die sich sehr wohl und intensiv mit der Frage beschäftigt haben. Und sich genau diese Fragen nach dem Warum und dem Wie stellen.

Und dabei sind wir aus meiner Sicht bei zwei ganz wichtigen Parametern: Reflexion und Sensibilität.

Ob Kinderfotos gezeigt werden oder nicht entscheiden in den meisten Fällen die Eltern.

Ich finde es extrem wichtig, sich mit der Frage zu beschäftigen warum ich das mache und sich darüber im Klaren zu sein, dass die Fotos im Netz der gesamten Öffentlichkeit zur Betrachtung und auch Kommentierung bereit stehen. Ich muss mir im Klaren sein, dass es Idioten gibt, die Bilder Klauen, downloaden und sonstwas damit machen. Dass das widerlich und strafbar ist, steht hier außer Frage.

Pro Kinderbilder im Netz

Aber es gibt auch Argumente, die dafür sprechen Kinderfotos im Internet zu posten. Kinder gehören zu unserer Gesellschaft. Sie sind genauso ein Bestandteil, wie wir Erwachsenen.

Unser Leben ist bunt und vielfältig. Und so soll auch das Netz bleiben, kleiner Seitenhieb Richtung §13.

Unsere Gesellschaft besteht nun mal aus Familien mit Kindern – ein Kind, zwei Kinder, Zwillinge, Drillinge, Großfamilien, Alleinerziehend, Familien mit behindertem Kind oder behindertem Elternteil, Familien mit kranken Familienmitgliedern, Familien auf dem Land, in der Stadt, diese Aufzählung wird nie vollständig sein, so höre ich hier auch auf…

Und all diese Vielfalt darf doch auch im Netz stattfinden. Denn: Es gibt einen Einblick in den Alltag anderer Menschen.Menschen, zu denen man im direkten analogen Umfeld vielleicht keinen Kontakt hätte. Es schafft einen Blick über den Tellerrand und lässt einen bestimmte Themen auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Es entsteht Austausch und Kommunikation.

Um noch auf das WIE einzugehen

Es gibt auch eine Menge an Möglichkeiten, Kinderbilder so zu veröffentlichen, dass man die Kinder nicht erkennt, bspw. durch Detailaufnahmen.

Oder durch aufnahmen von hinten:

Oder Symbol Bilder die erkennen lassen, dass es wohl um ein Thema rund um Kinder geht.

Auch wenn das aktuell bei uns nicht der Fall ist, werde ich, wenn es soweit ist mit meiner Tochter genau darüber sprechen. So wie wir es hier zuhause machen. Denn auch meinen Partner frage ich, ob ich ein Bild posten darf, auf dem er abgebildet ist. Jedes Mal aufs Neue. Kommunikation, miteinander sprechen und im Austausch sein.

Mit positivem Nebeneffekt, das Vorleben ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu medienkompetenten Kindern.

Und jetzt los, wie schaut es dazu bei euch? Ich freue mich auf Kommentare von euch!

Alles Liebe,
Susanne

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